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Dienstag, 29. März 2016

[Elfen vs Vampire] Szene 3 - Das große Schlichten


Dann lesen wir doch mal, ob die beiden Parteien auf einen Nenner kommen:

Der resolute Sicherheitsbeamte brachte Dorian und die Elfenwesen zu einem gläsernen Fahrstuhl, von dem aus man auf das ganze Einkaufszentrum heruntersehen konnte. An Aussicht genießen, war jedoch nicht zu denken. Dorian hatte sich in eine Ecke zurückgezogen und fixierte von da aus die Elfen mit bösem Blick. Fergulas gab sein bestes, eben diesen Blick zu erwidern, ebenso wie Lani. Nur Amber rieb sich begeistert an der Glaswand des Fahrstuhls."Sieht aus, als ob Amber fliegt", quiekte die Katze vergnügt. "Beeindruckt mich wenig", murmelte Dorian."Glaubst du uns beeindruckt das, du Miesepeter?", keifte Fergulas."Ich dachte, ihr Waldwesen seid so einen Luxus nicht gewöhnt."Fergulas brach in Gelächter aus. "Du warst noch nie in einer Elfenstadt, oder?Wir sind den Bauwerken der Menschen weit voraus.""Ruhe!", sagte der Sicherheitsbeamte. Der Fahrstuhl hielt und die Tür glitt zur Seite. Dahinter erwartete sie ein geräumiges Büro, dessen Wände ebenfalls aus Glas bestanden. Aus dem Boden des Raumes fuhren Sitze empor. Auf jedem dieser Stühle saß ein Mensch. Elfen und Vampir fühlten sich wie Angeklagte in einem Prozess. Erst recht, als sie in die ernsten Gesichter des sonderbaren Tribunals sahen."Wir sind die Schlichter", sagte eine Stimme. "Die was?", fragte Lani. Fergulas brachte sie mit einem Ellenbogenhieb zum schweigen."Das Kaufhaus ist ein Ort des Friedens. So ein kindisches Verhalten wird hier nicht gebilligt.""Aber...", sagten Dorian und Fergulas wie aus einem Mund. Sie hoben die Finger und zeigten anklagend auf den jeweils anderen, aber die Schlichter ließen sich nicht auf eine Diskussion ein."Tragt eure Schlichtpunkte vor, Schlichter!", befahl die Stimme und reihum begannen die Menschen auf den Stühlen zu sprechen."Hört uns an. Schlichterin Julia Grädler mein Name. Was soll denn das ganze Zinnober.... Ihr solltet Euch nicht gegenseitig bekämpfen sondern eher miteinander arbeiten... sonst werden die Menschen auf euch aufmerksam und das wäre weder im Sinn von den Elfen noch von den Vampiren... also reißt euch zusammen, sonst verratet ihr euch selbst." "Ich arbeite nicht mit Elfen zusammen", sagte Dorian. "Guckt sie euch an. Sie sind ... laut und nervig.""Für einen so alten Vampir verhält du dich wie ein beleidigtes Kleinkind", entgegnete Lani. "Ruhe! Jetzt spricht Schlichterin Sandra Seidel. Wir müssen uns ja nicht lieben, aber wir sind wohl alle intelligent genug, um uns zumindest soweit zu tolerieren, um uns nicht gegenseitig umbringen zu wollen, wir sind ja keine Menschen. Also lasst uns das Kriegsbeil begraben und feiern, dass wir alle besonders sind, jeder auf seine Art.""Auf keinen Fall!" Darin waren sich Elfen und Vampir einig, doch die nächste Schlichterin mit dem Namen Sabrina Wohlert ließ das nicht gelten. Sie schlug mit der flachen Hand auf die Armlehne, um sich Gehör zu verschaffen."Normalerweise stehe ich ja auf Krawall, aber mal ehrlich, ihr Stinker würdet mir schon ein wenig fehlen, wenn ihr nicht mehr da wärt und keiner kann so gut wie ihr Menschen fernhalten und die sind ja wohl am schlimmsten. Also lasst uns den Streit vergessen. Weiß so und so nicht mehr, warum wir damit angefangen haben.""Da hat sie einen Punkt. Menschen sind schon recht unzivilisiert", bemerkte Fergulas. "Aber Vampire? Die sind noch unzivilisierter."Dorian verdrehte nur die Augen und ging nicht auf die Spitze ein. Manchmal war es sinnvoller, den Mund zu halten."Ich bin Schlichterin Sabrina Ehrlich: Ihr habt mehr gemeinsam, als ihr denkt, und nicht nur spitze Körperteile! Also auf zur nächsten Bar und Streit begraben!" "Wir sind auf dem richtigen Weg. Aber hört, was wir euch noch zu sagen haben. Ich bin Schlichterin Sheila Bibliophil. Hey, ich mag Glitzer eigentlich ganz gerne. Und wir haben doch auch was gemeinsam, naja irgendwie zumindest...ihr habt spitze Zähne, wir spitze Ohren... Also lasst uns alle Vorurteile begraben und noch einmal neu beginnen!?""Damit das klar ist, ich hasse Glitzer", sagte Fergulas."Ich ebenso", stimmte Dorian zu."Na immerhin sind wir da einer Meinung.""Amber liebt Glitzer." "Sehr schön gesprochen, Kollegin. Ich bin Schlichterin Jenny Bolt. Männer! Immer müssen sie sich darum streiten, wer größer ist oder das schnellere Auto hat. Macht nicht ein auf Badman vs. Superman Jeder hat seine Vor- und Nachteile, aber im Grunde sind wir doch alle gleich. Ihr solltet lieber überlegen, ob ihr euch zusammen nicht sogar ergänzt und die Welt besser vor dem Bösen zu schützen. Lasst uns doch zusammen ein paar Dämonen jagen.""Vielleicht brauchst du Hilfe, wenn dir ein Werwolf über den Weg läuft", schlug Fergulas Dorian vor.Dorian ignorierte ihn."Zu Guter letzt noch Schlichter Jens Hunsche. Hört mich an. Elfen und Vampire - beide leben extrem lange (oder leben Vampire nicht mehr... ) und beide sind in ihrer Art von anderen geliebt.Also Arschbacken zusammen kneifen und aufeinander zugehen!!""Habt ihr gehört, was die Schlichter euch damit sagen wollen?""Ja.""Dann nehmt es euch zu Herzen und HÖRT AUF UNSER KAUFHAUS zu demolieren.""Ja ist gut", nuschelte Fergulas und weil er das Gefühl hatte, dass das von ihnen erwartet wurde, hielt er dem Vampir seine Hand in. Der ergriff sie, wenn auch widerwillig. Ob die beiden ihre Streitigkeiten wirklich dauerhaft beigelegt haben, bleibt abzuwarten. Aber dieses erste "Battle" wäre überstanden. Beide Seiten mussten übrigens für den Schaden aufkommen, was dem Vampir ein müdes Achselzucken entlockte, bevor er seine Kreditkarte zückte.


Caroline Brinkmann und Sandra Florean drücken die Daumen, dass nun endlich Ruhe ist ;)

Vielen Dank an die Teilnehmer: 


Dann hoffen wir doch mal, dass es ruhig zwischen den beiden Parteien bleibt und sie friedlich nebeneinander her leben können. :) ♥

Montag, 7. März 2016

[Elfen vs Vampire] Szene 2 - beim Herrenausstatter


Heute starten wir mit der Version aus der Sicht der Vampire:

Kopfschüttelnd verließen wir den Blumenladen. Elendes Elfenpack! Obwohl mir der Spaß vergangen war, begleitete ich James bei seinen weiteren Besorgungen. Bei Brooks Bros., einem Herrenausstatter, kam mein Elan langsam wieder. Ich hatte hier schon das ein oder andere Hemd gekauft und da ich in letzter Zeit einen ziemlichen Verschleiß hatte - Blut lässt sich nur sehr schlecht vollständig herauswaschen - sah ich mich nach einem weiteren Exemplar um. Albernes Gekicher ließ meine Laune schlagartig wieder in den Keller sinken. Ich drehte mich um und entdeckte sie an dem Regal mit den Schlipsen. Kichernd grabbelten sie mit ihren kleinen Fingern alle an, wobei einige zu Boden fielen, was sie jedoch herzlich wenig interessierte. Ich sah mich genervt nach einer Verkäuferin um, entdeckte aber keine. Auch James war in eine der geräumigen Umkleidekabinen verschwunden.
"Wenn ihr schon nichts kaufen wollt, dann lasst eure Pfoten davon!", rief ich und funkelte sie böse an. Dümmlich grinsend drehten sich die Nichtsnutze um.
"Lass mich in Ruhe!", rief das Eine. "Oder lasse dir Pilze aus den Ohren sprießen."
Für einen Moment war ich tatsächlich sprachlos. Sollte das etwa eine Drohung sein? Langsam ging ich näher und ließ das Dunkle Blut meine Augen und Adern schwarz färben.
"Du drohst mir, du Clown?"
"Ich habe keine Angst, Bleichgesicht." Frech oder todesmutig, ich war mir da nicht sicher. Die andere Elfe hob die Hände und fuchtelte albern damit herum, als wollte sie mich damit verjagen. Mann, die waren ja sogar noch beschränkter, als ich gedacht hatte. Das kommt davon, wenn man sonst nur in Wäldern und Büschen hauste. Denen würde ich Respekt beibringen. Das hier war ein Herrenausstatter von sehr gutem Ruf – und kein lustiges Fang-den-Flauscheball im Garten. Ich war nun wahrlich kein Prinzipienreiter, aber es gab Dinge, die gehörten sich einfach nicht. Und als waschechter Engländer hasste ich schlechtes Benehmen. Und dazu gehört auch, vor einem höhergestellten Wesen in Jackie-Chan-Manier mit seinen dreckverschmierten Diebesfingern herumzufuchteln.
Ehe ich das alberne Gehampel stoppen konnte,  verdunkelte Nebel meine Sicht. Mitten im Einkaufszentrum! Erstaunlich. Sie können also doch nicht nur Blumen essen. Angst machte es mir allerdings nicht, falls sie es darauf abgesehen hatten. Ich wollte ihnen schon eine weitere Drohung entgegen werfen, als der Boden unter mir nachgab und ich ein Stück in den mit einem Mal nachgiebigen Parkett einsank!
"Was zum Teufel ...!" Überrascht sah ich mich um. Das konnte doch wohl nicht wahr sein! War das ein Zauber? Es musste einer sein, denn eben war der Boden noch, wie er sein sollte. Fest. Vermaledeiter Elfen-Hokuspokus! Damit würden sie mich jedoch nicht lange aufhalten. Ich konnte aus dem Stand auf das Dach eines fünfstöckigen Hauses springen. Alberner Elfenzauber hielt mich nicht auf! Ich fühlte keinen festen Grund unter den Füßen, also stützte ich mich mit den Händen ab und kam mit einer kraftvollen Bewegung frei.
"Beweg dich, Alania!", schrie der Jackie Chan für Blumen. "Wir hauen ab."
Noch im Sprung setzte ich den Flüchtenden nach, riss dabei ein paar Kleiderständer um, bekam aber den Armfuchtler zu fassen. Ich packte ihn am Kragen und riss ihn zu Boden. Dann ließ ich meine Augen dunkel werden.
"Du wagst es, mich anzugreifen? Mich?!" Mit meiner Todeswelle brachte ich ihn zum wimmern. Er heulte wie ein kleines Mädchen – vielleicht war er sogar eins, bei diesen Spitzohren wusste man nie -, also zerrte ich ihn wieder hoch. "Ihr verfluchtes namentanzendes Glitzerpack habt keine Ahnung, mit wem ihr euch angelegt habt."
Kaum stand ich, sprang mich die andere Elfe an und das Katzenviech hieb nach meinem Hosenbein. Mit einem Tritt schleuderte ich es von mir und griff mir den anderen Angreifer. Endlich löste sich dieser sonderbare Nebel auf.
"Lass ihn in Ruhe!" Die andere Elfe trat mir unversehens gegen das Schienbein. Auch die Katze war zurückgekommen und biss mir in die Wade. Wütend knurrte ich sie an.
"Bein schmeckt ekelig", knurrte sie zurück. "Amber Vegetarier."
"Dann schlitze ihn nur auf!", rief das Spitzohr.
"Geht nicht! Krallen neu lackiert!"
Stöhnend verdrehte ich die Augen. Das konnte doch wohl alles nicht wahr sein. Ich schüttelte den haarigen Angreifer ab. Plötzlich veränderte sich der Luftdruck, dass mir die Haare zu Berge standen. Ich hasste Magie! Ohne ersichtlichen Grund brachen Regale zusammen, Anzüge wurden im hohen Bogen durch die Luft geschleudert und Schaufensterpuppen und Krawattenständer flogen in einem wilden Tanz durcheinander. Es sah aus, als würde ein unsichtbarer Wirbelsturm durch den Laden fegen. Ein greller Lichtstrahl brach daraus hervor. Ich konnte gerade noch den Blick abwenden, ehe er mich blendete. Schmerz durchzuckte meine Finger, und ich sah überrascht auf. Der Elf hielt plötzlich ein Schwert in der Hand und hieb nach mir.
"Au!" Erschrocken ließ ich ihn los und er stürmte davon. Ich griff nach dem Regal neben mir, riss eine Latte heraus und warf es ihm zwischen die Beine. Mit einem ungelenken Plumps ging er zu Boden. Das Schwert glitt ihm aus der Hand und blieb in einem Haufen Socken stecken. Mittlerweile hätte ich wütend genug sein müssen, um das gesamte Einkaufszentrum den Erdboden gleich zu machen, doch diese Situation entbehrte nicht einer gewissen Komik. Außerdem musste ich gestehen, dass mich dieser wenn auch sehr ungleiche Kampf auf erquickende Weise belebte. Schon immer weckte ein schönes Gemetzel sämtliche Lebensgeister in mir. Sofern sie bei mir untotem Geschöpf noch zu hießen. Mit einem Satz war ich bei dem zitternden Elfen und zerrte ihn hoch. Er sah mich angsterfüllt an. Endlich war ihm das alberne Gekicher vergangen. Erneut ließ ich meine Augen dunkel werden.
"Ihr hättet in eurem Wald bleiben sollen."
"Keine Bewegung und lassen Sie den Mann los. Sir!" Ich sah auf und direkt in den Lauf einer Handfeuerwaffe. Der Sicherheitsbeamte hinter dieser Waffe war nicht mehr der Jüngste, wirkte aber fest entschlossen, mir nun endgültig den Tag zu vermiesen.
"Sonst was?", fragte ich und entblößte in einem diabolischen Grinsen meine Fangzähne.
"Sonst blase ich dir ein Loch in den Schädel", erwiderte der Mann überraschend selbstsicher. "Lass ihn los und dann werdet ihr schön mitkommen. Alle beide. Ich hab genau gesehen, was ihr hier veranstaltet habt. Und das werde ich auf keinen Fall dulden. Nicht in meiner Schicht. Verstanden? Und nun hört auf, euch wie alberne kleine Kinder zu benehmen!"
Überrascht sah ich den Kerl an, und auch der Elf hob fragend den Kopf. Der Mann blickte entschlossen zurück.
"Diese Fehde zwischen Vampiren und Elfen hängt mir langsam zum Hals heraus. Wir werden das jetzt klären. Ein für alle mal!"

Und als Schlichter muss ich Euch natürlich auch die Story aus der Sicht der Elfen präsentieren:

Fergulas war erleichtert, den Vampir hinter sich zu lassen. Er war nicht stolz drauf, aber allein die Erinnerung an diese kalten Augen, jagten ihm einen Schauer über den Rücken.
"Warum hast du nicht einfach seinen Mantel in Brand gesteckt?", fragte Lani. "Wenn ich zaubern könnte, hätte ich ihm seine Lippen versiegelt. Und was ist schon ein Vampir ohne Zähne?"
"Aber du hast noch keine Magie und das ist gut so. Dir fehlt einfach der Weitblick", entgegnete Fergulas. Das klang ziemlich weise!
"Weitblick? Von wegen! Du bist ein Feigling, Fergulas von Fichtenstein. Das ist alles."
"Ich habe keine Angst."Es klang wenig überzeugend. Dieses kleine Mädchen trieb ihn in den Wahnsinn. Sie war wie ein Wirbelsturm. Nicht zu bändigen. Und definitiv nicht gut erzogen. Kein Wunder. Sie kam nicht aus der Stadt Immerblau, sondern aus einem kleinen Dorf mit dem Namen Efeu. Dorfelfen fehlte es meistens an Manieren.
Fergulas hatte versprochen auf Lani aufzupassen, aber es war wahrscheinlich einfacher einen Sack Flöhe zu hüten, als zu verhindern, dass diese Mädchen sich in Schwierigkeiten brachte.
Vor einem Geschäft blieb er stehen. Brooks Brothers stand in goldenen Buchstaben auf dem Eingangsschild geschrieben.
"Hier müssen wir rein", sagte er, während er sich die edle Garderobe im Schaufenster ansah.
Kleidung schafft Einfluss, pflegte sein Vater zu sagen.
"Och nö. Muss das sein?" Lani schob die Unterlippe vor.
"Ja, es muss!"
"Das sieht langweilig aus."
Fergulas ignorierte das Mädchen, erklomm die Stufen und drückte die Tür auf. Ein leichtes Klingeln verkündete dem Besitzer, dass Kundschaft den Laden betrat.
Während Lani und Amber hinter einem Regal mit Krawatten verschwanden, schaute Fergulas sich um. Er ließ seine Hände über die feinen Stoffe gleiten und stellte sich vor, wie sie ihn wohl kleiden würden. Er nahm eine Jacke ab und hielt sie vor sich. Prüfend warf er einen Blick auf sein Spiegelbild. Bei dem Anblick verzog er automatisch das Gesicht. Eine Narbe zog sich von der Stirn bis über die Ohren. Sein dichtes, blondes Haar war über der Stelle kurz. Daher trug er meistens ein Tuch, welches den Makel verstecken sollte.
"Wenn ihr schon nichts kaufen wollt, dann lasst eure Pfoten davon!", rief eine vertraute Stimme.
Och ne. Fergulas lugte um die Ecke. Lani hatte die Seidenkatze Amber mit Krawatten behängt. Vor ihnen baute sich nicht etwa der Ladenbesitzer auf. Nein, es war der Vampir, der sie mit wütenden Augen ansah.
"Lass mich in Ruhe!", rief Lani. "Oder lasse dir Pilze aus den Ohren sprießen."
Als ob sie das könnte!
Der Vampir sah Lani fassungslos an. Fergulas konnte förmlich sehen, wie ihre Worte in seinem Gehirn rotierten. Dann verdüsterte sich sein Gesicht. Er ging auf Lani zu, doch seine Erscheinung änderte sich. Seine Augen waren schwarz, ebenso wie die Adern unter der blassen Haut. Amber fauchte erschrocken und versteckte sich hinter der Elfe. Typisch. Zwar waren Seidenkatzen imposante Erscheinungen, aber trotz Größe vollkommen nutzlos. Das Einzige, was sie mit ihren Krallen anstellten, war Kralliküre.
"Du drohst mir, du Clown?"
Clown? Was war das denn für eine Beleidigung? Ein jähzorniger Vampir mit dem Intellekt eines Schulkindes. Aber abgesehen davon war er gefährlich und Lani hatte es geschafft, ihn gegen sich aufzubringen. Dabei konnte sie noch nicht einmal zaubern, geschweige denn die Magie sehen. 
Er hingegen konnte es. Er sah den goldenen Staub, der ständig präsent war und alle Wesen miteinander verband. Er sah, wie die Stärke des Vampirs die Körnchen zum beben brachte. Es war eine düstere Art der Kraft ... und eine plumpe. 
Im Prinzip war es ein Fluch, der dieses Geschöpf am Leben erhielt, solange er dem verfluchten Körper Blut zuführte. Vampire waren in seinen Augen wie Drogenabhängige.
"Ich habe keine Angst, Bleichgesicht." Lanis Hände waren in ihrer Hosentasche. Wahrscheinlich würde sie jeden Moment nichtabwaschbares Juckpulver auf ihn werfen. Fergulas seufzte innerlich und dachte kurz daran zu verschwinden, sich einfach umzudrehen. Besonders edel wäre das nicht.
Also hob er die Hände und griff nach der Magie. Er überlegte, das Herz des Vampirs mit einer unsichtbaren Hand zu zerquetschen und das Problem schnell und schmerzlos zu lösen, aber dann wäre er nicht besser als dieses traurige, hirnbefreite Geschöpf. Fergulas seufzte innerlich. Was tat man nicht alles, um sich dem Vater gegenüber als würdig zu erweisen. Nein, er musste wie ein Elf und Edelmann handeln, auch wenn es anstrengend war.
Die goldenen Körner gehorchten seinen Anweisungen und begannen zu rotieren. Sie verdichteten sich, webten dünne Fäden, die sich miteinander verschlangen und ein dichter Nebel verbreitete sich zwischen den Regalen. Das würde noch nicht reichen.
Fergulas ging in die Knie und legte seine Hand auf den Boden. Erneut griff er nach der Magie, um die Materie des Bodens zu ändern. Die Körner flossen durch den Pakettboden, direkt unter die Füße des Vampirs. Plötzlich gab der feste Boden nach und die Füße des Vampirs versanken bis zu den Knien im Morast. Das würde hoffentlich reichen!
"Beweg dich, Alania!", schrie Fergulas gegen das wütende Brüllen des Vampirs an. "Wir hauen ab."
Es reichte nicht. Während Lani und Amber auf den Ausgang zu sprinteten, zog sich der Vampir aus dem Morast. Seine Wut, vermutlich aus dem gekränkten Stolz resultierend, lud die Luft auf. Vampire waren vor allem eins: Schnell beleidigt! Aber jetzt war es zu spät es mit Diplomatie zu probieren.
"Lauf!" Er schob Alania durch die Tür, wurde aber im selben Moment am Arm gepackt und nach hinten gerissen. Der Vampir beugte sich über ihn mit tiefschwarzen Augen.
"Du wagst es, mich anzugreifen? Mich?!" Fergulas spürte wie sich eine Hitze in seinem Körper ausbreitete. War das so etwas wie Magie, was der Vampir ausübte? Es fühlte sich an, als ob seine Knochen in Flammen standen.
"Ihr verfluchtes Hexenpack habt keine Ahnung, mit wem ihr euch angelegt habt."
Jaja. Krieg dich wieder ein.
Fergulas biss die Zähne zusammen. Er hatte für einen Moment die Konzentration verloren und der Nebel, den er geschaffen hatte, löste sich auf.
Dieser Tag war einfach nur zum kotzen. Warum hatte er Lani nur mit zum shoppen genommen?
Während er fieberhaft überlegte aus der Situation herauszukommen, zog ihn der Vampir hoch.
"Lass ihn in Ruhe!". Anstatt wegzurennen, waren Lani und Amber zurückgekehrt. Die Elfe trat dem Vampir gegen das Schienbein, während Amber ihre Zähne in das Fleisch schlug.
"Bein schmeckt ekelig", knurrte sie. "Amber Vegetarier."
"Dann schlitze ihn auf!"
"Geht nicht! Krallen neu lackiert!"
Eins musste man Lani lassen. Sie hatte Mut und das Herz einer Löwin. Dank ihrer kurzen Ablenkung spürte Fergulas den Schmerz, der seinen Körper gefangen hielt, schwinden.
Der Vampir fegte Lani mit einem Tritt zur Seite. Offenbar war er wie erwartet barbarisch und aufbrausend, wenn er nicht mal vor Kindern halt machte. Ein Gentleman war das jedenfalls nicht. Es war Zeit, ihm Manieren beizubringen.
Fergulas tastete nach der Magie, ließ sie durch sich hindurchfließen und schaute durch ihre goldenen Augen. Die Zeit spielte für sie keine Rolle, denn sie existierte überall, floss vor und zurück wie es ihr beliebte. Der Elf ließ sich von ihr tragen und tastete sich mit ihren Fühlern voran.
Vor ihm stand der Wut schnaubende Vampir im Anzug. Sein Brustkorb hob und senkte sich, ganz langsam. Immer langsamer. Es war, als ob die Zeit selbst den Atem anhielt. Nur nicht für Fergulas. Er würde diesen Zustand nicht lange aufrecht erhalten können, aber es würde ihm Zeit verschaffen. 
Fergulas tastete nach Lani. Er konnte ihren Schmerz spüren, ihren hektischen Atem. Ihr Herz hämmerte gegen den Brustkorb. Aber sie war unverletzt. Amber lag in Lanis Armen und zitterte. Das Gesicht der Seidenkatze drückte Lani fast die Luft aus den Lungen, aber die Elfe hielt sie fest.
Fergulas formte mit der Magie Finger. Sie bildeten einen Hohlraum, der Elfe und Seidenkatze in sich einschloss, ähnlich einem Ei. Dann ließ er die Wand zur Seite fließen und das Ei hinausrollen, geradewegs durch die Regale und Wand aus dem Laden heraus. In Sicherheit.
Er sah sich um. Brooks Brothers sah aus, als hätte sei ein Wirbelsturm durch den Laden gefegt. Die teuren Stoffe und Mäntel lagen auf dem Boden verteilt. Regale waren umgestürzt oder in sich zusammengeklappt. Fergulas spürte wie ihm die Magie entglitt. Die Zeit würde nicht länger still stehen. Sie drängte darauf wieder loszupreschen und zerrte an Fergulas Bewusstsein.
Er musste sich beeilen und ließ die Körner erneut zusammenfließen. Sie formten ein glühendes Zentrum, das die vertraute Gestalt seines Lichtzaubers annahm. Ein fliegenden Rochen, der so hell glühte, dass das Licht die Kreatur der Nacht blendete. Im selben Moment, als Fergulas Zauber zum Leben erwachte, zog er sein Schwert Sonostir. Er stieß die Klinge gegen den Arm, der ihn festhielt und spürte wie sich die weißen, korallenartigen Finger lösten.
Bloß weg hier!, dachte er und wirbelte herum. Aber der Vampir hatte noch nicht genug. Rasend vor Schmerz hörte Fergulas, wie er gegen ein Regal schlug.
Der Elf wollte seinen Schritt beschleunigen, da traf ihn etwas an den Fersen. Er verlor das Gleichgewicht, Sonostir rutschte ihm aus der Hand und fiel -recht unelfenhaft- in einen Berg Socken. Gut, dass sein Vater nicht hier war und sein Versagen mit ansah.
Fergulas drehte sich um. Er griff nach der Magie, um sie wie ein Schild vor sich zu sammeln.
"Ihr hättet in eurem Wald bleiben sollen", fauchte die Kreatur.
Fergulas ahnte, dass der Vampir erst aufgeben würde, wenn er tot war. Da stand kein glitzernder Gentleman mit tiefen Gefühlen vor ihm, sondern eine blutgierige Leiche, am Leben gehalten durch einen düsteren Zauber.
"Keine Bewegung und lassen Sie den Mann los. Sir!"
Fergulas sah einen Menschen, der eine Handfeuerwaffe auf den Vampir richtete. Der Sicherheitsbeamte hinter dieser Waffe war nicht mehr der Jüngste, wirkte aber fest entschlossen. Etwas zu entschlossen für jemandem, an dem die Magie zu klar vorbeifloss. Manchmal bemitleidete Fergulas die Menschen für ihre Blindheit gegenüber dem goldenen Strom. Sie wandelten jenseits allem magischen. Allein und abgetrennt von der wunderbaren Welt, die er sehen konnte.
"Sonst was?", fragte der Vampir und entblößte in einem diabolisch Grinsen seine Fangzähne.
"Sonst blase ich dir ein Loch in den Schädel", erwiderte der Mann. "Lass ihn los und dann werdet ihr schön mitkommen. Alle beide. Ich hab genau gesehen, was ihr hier veranstaltet habt. Und das werde ich auf keinen Fall dulden. Nicht in meiner Schicht. Verstanden? Und nun hört auf, euch wie alberne kleine Kinder zu benehmen!"
Der Vampir sah überrascht aus, aber zu Fergulas Verwunderung zerriss er den armen Kerl nicht. Er schien sichtlich verunsichert über die Herausforderung.
"Diese Fehde zwischen Vampiren und Elfen hängt mir langsam zum Hals heraus. Wir werden das jetzt klären. Ein für alle mal!"


Oh weh! Ob ich das schaffe, zwischen den beiden Parteien zu schlichten? Wo beide so stur und eigensinnig sind? Es bleibt spannend... Und Ihr dürft gespannt sein! Also bleibt dran. ♥

Sonntag, 21. Februar 2016

[Elfen vs. Vampire] Szene 1 im Blumenladen


Ich habe einen neuen "Nebenjob". Ich fungiere als Schlichter zwischen zwei Parteien: die Elfen, von Caroline G. Brinkmann ins Leben gerufen, und den Vampiren, von Sandra Florean erschaffen. Die beiden Spezies werden in nächster Zeit öfter aufeinander treffen und dabei entstehen kleine Minigeschichten, die Euch neugierig auf die Bücher machen werden. 

Heute starten wir mit Szene eins - ich bin gespannt, wie ihr es findet. Da ich die Schlichterseite gewählt habe, könnt Ihr bei mir beide Varianten lesen. Als erstes sind die Elfen dran:

So, ich stelle euch jetzt meine Elfen vor. Ich habe mich nicht für meine blinde Elfe Kobrin entschieden, da sie durch ihre Blindheit gegenüber der Magie eine eher „untypische“ Elfe ist. Dafür lernt ihr ihren Erzrivalen Fergulas von Fichtenstein kennen. Einen stattlichem jungen Elf aus guter Familie. Er hat schulterlanges, blondes Haar (Wie es sich für einen Elfen gehört). Er sieht gut aus und ja, er ist ein wenig arrogant und von sich überzeugt (hier erfüllt er die Klischees. Auch ein Grund, warum Kobrin ihn nicht leiden kann). Trotzdem steckt hinter der harten Schale ein weicher Kern, wie Kobrins Cousine Alania Almenzweig bemerkt. Denn Fergulas hat eigentlich nur ein Ziel: Seinen Vater stolz zu machen. 

Kommen wir zu Alania (Spitzname: Lani). Sie ist Kobrins kleine Cousine und noch zu jung, um Magie zu benutzen. Anders als die Stadtelfen, die viel Wert auf Auftreten und Etikette legen, ist Lani im Walddorf Efeu aufgewachsen und hat es faustdick hinter den Ohren. Sie kann zwar noch nicht zaubern, aber hilflos ist sie dadurch schon lange nicht. Ihre Spezialität sind Zaubertränke und Pulver.

Dann gibt es da noch eine Seidenkatze. Aber lest selbst...

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Im Blumenladen
  
"Warum bin ich überhaupt mitgekommen?", beschwerte sich Fergulas und verzog sein Gesicht, während sie sich durch das überfüllte Einkaufzentrum drängelten.
Das fragte sich Lani auch. Sie jedenfalls hatte keinen Wert auf seine Begleitung gelegt, zumal sich der eingebildete Elf meist wie ihr Babysitter aufspielte.
"Weil du keine Freunde hast, mit denen du stattdessen etwas unternehmen könntest", erinnerte sie ihn und schenkte ihm ein breites Grinsen.
"Ich habe Freunde... Viele Freunde." Eigentlich war Fergulas wie sein berühmt berüchtigter Vater sehr wortgewandt, doch sie hatte ihn eiskalt erwischt. Er schluckte und sein Gesicht schwoll vor Scham an wie ein Ballon, was in Lani ein Gefühl der Befriedigung hervorlockte. Der Elf war so einfach zu provozieren, wenn er versuchte seinem Vater nachzueifern und den weisen Anführer zu mimen.
"Und warum bist du nicht bei deinen vielen Freunden?" 
"Um auf euch aufzupassen. Euch kann man ja keine Minute aus den Augen lassen."
Mit "euch" meinte er Lani und Amber. Amber war eine Seidenkatze. Groß, flauschig und verdammt verwöhnt. Die Elfen züchteten sie schon seit vielen Jahren und mithilfe von Magie waren aus ihnen Wesen geworden, die zwar Ähnlichkeiten mit herkömmlichen Tieren hatten, jedoch darüber hinaus sprechen konnten und sogar über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügten.
"Hör nicht auf den Stimmungskiller." Lani streichelte dem Tier über das Fell. "Wo möchtest du als nächstes hin?"
"Ja, wo willst du hin?", echote Fergulas gereizt. "Noch mal zum Friseur? Oder zu Kralliküre?"
Lani befürchtete, dass der Elf kurz davor war, beide zu Eis erstarren zu lassen. Das konnte er. Theoretisch. 
Wenn ein Elf erwachsen wurde, zeigte sich ihm die Magie. Ein goldener Strom, der alles verband. Jeder Elf konnte sie sehen und, wenn er alt genug war, lernte er sie zu benutzen. Alania selbst war noch zu jung, um Elfenmagie anwenden zu können. Sie spürte nur hin und wieder, wie die Magie sie streifte und sah die glühenden Fäden im Augenwinkel vorbeifließen. Nach ihnen greifen, konnte sie noch nicht, aber das machte sie nicht hilflos. Fergulas mochte die Magie beherrschen, aber sie hatte ihre Mixturen. Zur Sicherheit wanderte ihre Hand in die Manteltasche, in der sie noch einen Rest an Juckpulver aufbewahrte. Sie würde sicher nicht zögern es einzusetzen.
In diesem Moment blieb Amber vor einem Blumenladen stehen.
"Amber liebt Schlänseglümchen", mauzte sie.
"Gänseblümchen", verbesserte Fergulas. Er fuhr sich durch das blonde Haar, welches wie bei Flusselfen üblich über die Schulter fiel. "Und was willst du mit dem Grünzeug?"
"Essen."
"Seit wann isst du Blumen? Du bist eine Katze. Fang dir ne Maus."
"Amber ist Vegetarier. Amber tötet keine Mäuse."
"Ist das dein Ernst? Du hast Krallen, Reißzähne und bist eine verdammte Katze." Fergulas machte Anstalten einfach weiter zu gehen.
"Amber isst kein Tier." Die Katze schüttelte sich angeekelt.
"Mit dem Fisch gestern hattest du doch auch kein Mitleid."
"Amber isst Fisch. Amber liebt Fisch."
"Das ist auch ein Tier."
"Nein. Amber Vegetarier."
"Nein. Amber dumm."
Lani konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Es war einfach zu lustig zu sehen, wie Fergulas sich von Seidenkatzen-Logik ärgern ließ.
Sie betraten den Blumenladen. Lani wollte Wubabubakraut besorgen. Damit würde sie einen Trank herstellen können, der Fergulas endlich den Stock aus dem bleichen Gesäß befördern würde, der dort schon viel zu lange steckte. Der Junge musste endlich mal locker werden. Er war in ihren Augen der typische Stadtelf und die verstanden keinen Spaß. Sie selbst kam aus einem der kleinen Walddörfer mit Namen Efeu. Dort waren die Elfen freier. Sie hielten nicht viel von Etikette und Luxusgütern, sondern genossen vielmehr ein einfaches Leben, ein Leben, wo gelacht, getanzt und gezaubert wurde. 
"Was suchst du hier?" Fergulas folgte ihr.
"Nichts." Lani passierte eine Reihe an Blumen.
"Du hast doch wieder Unfug vor."
"Nein."
Bevor Fergulas etwas erwidern konnte, stürzte sich Amber mit einem entzückten Kreischen auf einen Topf mit Katzengras und rempelte dabei einen der beiden düster aussehenden Gestalten an.

"Aufgepasst! Ich muss doch sehr bitten. Hier gibt es auch noch andere Kunden. Kunden, die auch bereit sind, etwas zu kaufen. Verfluchtes Elfenpack."
Mein lieber Waldgeist! Da hatte aber eine schlechte Laune. 
Der Sprecher war ein Mann, der so aussah, als würde er sich viel und intensiv mit seinem Aussehen beschäftigen. Er hatte lange Haare, helle Haut und wirkte sogar noch eingebildeter als Fergulas. Allerdings schienen beide ähnlich viel Zeit und Mühe in ihre Haare zu stecken. (Vielleicht benutzten sie sogar den gleichen Conditioner.) Lani zupfte an ihrer eigenen, wirren Lockenmähne. 
"Alles in Ordnung, Sir?“, fragte sein Begleiter, der die Elfen mit kritischen Blick musterte. Bei dem Anblick der Seidenkatze rümpfte er seine Nase.
Fergulas grummelte: "Na super. Auch das noch. Der Tag wird immer besser."
Er beugte sich zu Lani und flüsterte ihr warnend "Vampir" ins Ohr. Sie betrachtete ihr Gegenüber genauer. Obwohl sie noch nie einen Vampir getroffen, war sie sich sicher, dass Fergulas recht hatte und der Langhaarige ein Blutsauger war. Seine Haut war ein wenig zu blass, seine Augen ein wenig zu strahlend. Etwas Wildes lag in ihnen. Sein Begleiter, der soeben die Nase rümpfte, wirkte dagegen menschlich.
"Wenn wir dich stören, dann geh halt woanders glitzern, Mister Reißzahn." Lani stemmte die Hände in die Hüften.
Amber, die von der Begegnung unbeeindruckt schien, quiekte entzückt: "Amber liebt fluffige, knuffelige Pflanze. Wo sind die Schnänseglühmchen?"
Der Vampir sah aus, als würde er die Katze zerreißen wollen. Dann funkelte er Lani an, doch sie dachte nicht daran, den Blick zu senken. Eine Elfe aus Efeu hatte keine Angst. 
"Mister Reißzahn? Ich hör wohl nicht richtig. Verschwindet zurück in euren Wald. Oder gibst da keine Blumen mehr? Habt ihr schon alle aufgegessen, was?"
"Oh, da hat jemand Zitronen zum Frühstück gegessen...", Die Elfe verschränkte die Arme.
"Vampire essen keine Zitronen. Vampire trinken Blut", verbesserte Amber und steckte ihren Kopf aus einem Topf an Katzengras. 
"Ja und bestimmt kein Tierblut", murmelte Fergulas, der nervös von einem Bein aufs andere trat. Das war typisch für ihn. Auch wenn er bei jeder Gelegenheit mit seinen magischen Fähigkeiten angab, war er der erste, der abhauen wollte, wenn es brenzlig wurde. 
"Warum lässt du ihn nicht einfach erstarren?", raunte sie.
"Ich trage meine neue Jacke. Die war teuer." Das war jetzt nicht sein Ernst.
"Wir sollten gehen."
Fergulas machte Anstalten, Lani wegzuziehen, doch sie dachte nicht an Rückzug.
"Das schlecht gelaunte Bleichgesicht sollte gehen, wenn wir ihn stören." Lani schob die Unterlippe vor, während ihre Hand erneut in die Manteltasche zum Juckpulver glitt. "Ich brauche mein Wubabubakraut."
"Ich werde nirgendwo hingehen. Das hier ist meine Stadt. Mein Zuhause!" 
Ein schlecht gelauntes, größenwahnsinniges Bleichgesicht...
"Verschwindet zurück in euren Wald und tanzt eure Namen oder was ihr sonst so zu tun habt."
Lani war von so viel Übellaunigkeit sprachlos. 
Der Begleiter des Vampirs räuspert sich: "Ich an Ihrer Stelle würde tun, was Mister Fitzgerald sagt."
Mister Fitzgerald. Wer hieß denn bitte schön Fitzgerald? FITZ. GERALD. Lani brach bei dem Namen in Gelächter aus und fing sich von Fergulas einen warnenden Hieb mit dem Ellbogen ein.
Sie räusperte sich: "Habt ihr nicht was Besseres zu tun, Mister Das-ist-meine-Stadt? Sich in irgendwelche Jungfrauen verlieben?"
"Lass gut sein, Lani", mahnte Fergulas und schob Lani vor sich aus dem Laden. Dabei benutze er Magie, um sicher zu gehen, dass ihre Hände blieben, wo sie waren. In den Taschen. Lani spürte die unnachgiebigen unsichtbaren Finger, die sich um ihren Körper gelegt hatten und sie festhielten. Es war die Magie, die Fergulas nach seinem Willen formte und benutzte. Aber warum gegen sie?
"Aber der glitzernde Charmeur hat angefangen", protestierte sie. "Der war total unverschämt."
"Nur, weil dich eine niedere Spezies provoziert, musst du dich nicht auf ihr Niveau herunterlassen." Fergulas räusperte sich und strich seinen Anzug glatt.
"Du bist so ein Feigling, Fergulas von Fichtenstein."
Wenn es nach ihr gegangen wäre, wäre es anders ausgegangen. Sie hätte Mister Fitzgerald ihr Juckpulver näher gebracht. Im wahrsten Sinne des Wortes. Der Blutsauger und sein steifer Anzugsträger hätten zudem eine Ladung Wubabubakraut vertragen. Dann würden sie wie die Mücken ums Feuer tanzen. Nackt.
"Amber keine Schwänseglümchen", trauerte Amber. 

Und nun das ganze aus der Sicht der Vampire:

Das ist er, der Star der Nachtahn-Reihe: Dorian Fitzgerald. Allerdings ist er alles andere als ein glitzernder Schmusevampir. 
Sein Schöpfer, Gerald Baffour, brachte ihm bei, dass nicht jeder die Dunkle Gabe, die Unsterblichkeit, verdient. Diesem Erbe ging er die vergangenen sechshundert Jahre nach und erwarb sich so den zweifelhaften Ruf des Vampirkillers. Die Vampire fürchten ihn. Nicht zuletzt, weil es ihm wie keinem anderen gelungen ist, sich seiner Zeit anzupassen und einen Platz darin zu finden. 
Dorian ist kein altmodischer Rüschenhemdvampir, sondern steht auf schicke Anzüge, schnelle Autos, Superheldenfilme und ist sie auch nicht zu fein, in den Social Networks dieser Welt sein Unwesen zu treiben. Er ist mit unvergleichlichen Fähigkeiten ausgestattet (wie es dazu kam, könnt ihr in den Büchern nachlesen ;) ), was ihn hin und wieder schon etwas arrogant macht. Er hatte allerdings eine gefühlvolle und sehr loyale und verletzliche Seite. Immerhin hat ja alles zwei Seiten. Aber natürlich zeigt er sie nicht jedem. Vor allem nicht namentanzenden albern kichernden Spitzohren wie Carolines Elfen.

Zum ersten Mal trafen die beiden Streithähne in einem Einkaufszentrum aufeinander. Davon kann Dorian euch selbst berichten:

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Ich schaltete den Motor aus und sah auf die Uhr. „Acht Minuten schneller als sonst!“
James tastete mit zittrigen Händen nach seinem Sicherheitsgurt. „Ich bin begeistert, Sir.“
Ich drehte mich zu ihm um. Er war ein bisschen grün um die Nase.
„Höre ich da Zynismus, James?“, fragte ich.
„Keineswegs, Sir. Keineswegs. Ich möchte jedoch darum bitten, die Rückfahrt selbst zu übernehmen. Wenn es Ihnen nichts ausmacht. Sir.“
Lachend stieg ich aus. James folgte meinem Beispiel mit sehr bedachten Bewegungen.
„Wie Sie wollen, James.“
Wir fuhren mit dem Lift aus der Tiefgarage hinauf ins Einkaufszentrum und ließen uns schweigend von der scheußlichen Kaufhausmusik berieseln. Manchmal fragte ich mich, nach welchen Kriterien diese Titel ausgesucht wurden. Und von wem. Meine Großmutter würde schwungvollere Musik hören, würde sie noch leben!
„Ich möchte auch noch in den neuen Blumenladen und Louisa einen Strauß kaufen“, sagte ich, als wir der Todesmusik entkommen waren.
James Übelkeit schien überstanden, und er nickte leicht mit dem Kopf. Es war das erste Mal, dass mein Butler und ich zusammen einkauften, und ich wurde den Eindruck nicht los, dass er nicht ganz so viel Freude daran hatte wie ich. Dabei fand ich es sehr lehrreich, ihn dabei zu beobachten, wie er fachmännisch Lebensmittel einkaufte, von denen ich noch nie zuvor gehört hatte.
Der Blumenladen war bis auf zwei weitere Kunden leer. Wobei ich diese Kundschaft nicht als solche betitelt hätte.
„Elfen“, zischte ich James zu und beobachtete die beiden feingliedrigen Gestalten, wie sie sich alles aufmerksam ansahen und dabei dümmlich grinsten.
Ich mochte Elfen nicht. Sie waren ein albernes, kindisches Volk, das keine Minute stillhalten konnte, alles an grabbelte und laufend bescheuerte Lieder sang. Zappelnd und kichernd kamen sie näher, und ich räusperte mich vernehmlich, da der kleine Floristenladen kaum genug Platz zum Ausweichen bot.
„Aufgepasst! Ich muss doch sehr bitten. Hier gibt es noch andere Kunden. Kunden, die auch bereit sind, etwas zu kaufen. Verfluchtes Elfenpack." Ich trat hastig einen Schritt zurück und strich mir den Anzug glatt.
„Alles in Ordnung, Sir?“, fragte James.
Ich nickte missgestimmt auf die beiden Gestalten. „Sie haben sogar eine Katze dabei. Ist das zu fassen?“
„Na super. Auch das noch. Der Tag wird immer besser“, grummelte der Elf mit dem grünen Mantel. Vielleicht war es auch ein Mädchen, so genau kann man das bei den Elfen immer nicht erkennen.
„Wenn wir dich stören, dann geh halt woanders glitzern, Mister Reißzahn", rief mir das andere Elfenwesen frech zu.
„Amber liebt fluffige, puffelige Pflanze." Das war die Katze. Dieses sonderbare Elfenvolk hatte sogar sprechende Katzen? Das wurde ja immer schöner!
„Mister Reißzahn?“, knurrte ich. „Ich hör wohl nicht richtig. Verschwindet zurück in euren Wald. Oder gibt es da keine Blumen mehr? Habt sie schon alle aufgegessen, was?"
„Oh, da hat jemand Zitronen zum Frühstück gegessen..." Das dunkelhaarige Elfenwesen verschränkte die Arme.
„Vampire essen keine Zitronen. Vampire trinken Blut", sagte die Katze.
„Ja und bestimmt kein Tierblut."
„Vampire nämlich auch Vegetarier." Die Katze nickte
„Wir sollten gehen." Der Elf in dem grünen Mantel machte Anstalten, den anderen wegzuziehen, doch er oder sie dachte nicht an Rückzug. „Das Bleichgesicht sollte gehen." Es schob die Unterlippe vor. Störrisch wie ein Esel. Die wussten wohl nicht, was gut für sie ist.
Ich schnaubte. „Ich werde nirgendwo hingehen. Das hier ist meine Stadt. Mein Zuhause! Verschwindet zurück in euren Wald und tanzt eure Namen oder was ihr sonst so zu tun habt."
James räuspert sich. „Ich an Ihrer Stelle würde tun, was Mister Fitzgerald sagt."
„Geht's noch? Hab ihr nicht was Besseres zu tun, Mister Das-ist-meine-Stadt? Jungfrauen reißen, oder so?"
Ich starrte die freche Elfe wütend an und ließ sie eine Dosis meiner Todeswelle spüren.
„Lass gut sein, Lani", mahnte der Blonde mit dem Umhang. "Aber die glitzernde Charmeur- Leiche hat angefangen."
Maulend und murrend wie kleine Kinder verließen sie den Laden, und ich drehte mich weg. Verdammtes Elfenpack. Konnte einem den ganzen Tag vermiesen!
Ich beugte mich vertraulich zu der jungen Verkäuferin. „Sie sollten diese Individuen nicht in Ihrem Laden herumlungern lassen. Sie verschrecken die Kundschaft und kaufen ja doch nichts. Schönen Tag noch.“
© Sandra Florean - Nachtahn-Reihe

Und? Was sagt Ihr zu den beiden Stories? Ein bisschen toleranter könnten beide Parteien schon sein oder? Aber die Elfen haben gut reagiert, denn der klügere gibt nach. Ich bin schon auf das nächste Treffen gespannt und Ihr?